herstellerunabhängig – kundenorientiert – mit Full-Service

Wie am Schnürchen

In der Lausitz entsteht der größte künstlich angelegte Binnensee Deutschlands. Mehr als 130 Baumaschinen müssen dafür rund 17 Millionen Kubikmeter Erdreich bewegen. Das klappt wie am Schnürchen, weil mit der Bickhardt Bau Unternehmensgruppe und ihrem Baumaschinen-Dienstleister Manfred Hoffmann Baumaschinen Industrieservice zwei ausgewiesene Branchengrößen am Werk sind.

Möwen fliegen über das Wasser. Ein Segelboot verlässt den Hafen und gleitet still über den See. Badegäste strömen zu Hunderten aus ihren Hotels an die Promenaden und Sandstrände. So sieht die Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) die Zukunft für ihren stillgelegten Braunkohletagebau CottbusNord und hat die Arbeiten bis dahin langfristig vorbereitet. Doch bis es in der Spreeregion zwischen Berlin und Dresden soweit ist, muss noch so manche Erdschaufel bewegt werden und viel Wasser aus der Spree in den künftigen Cottbuser Ostsee fließen.
Mit 19 Quadratkilometern Fläche dürfte das Gewässer in den nächsten Jahren zum größten künstlich angelegten Binnensee Deutschlands heranwachsen.
Derzeit beherrschen fünf große Baustellen gleichzeitig mit Baggern, Radladern, Planierraupen, Gradern, einer Vielzahl von Dumpern, Rütteldruckgeräten und Verdichtungsgeräten das Feld und bereiten den künftigen See sowie die Uferzonen für die Flutung vor. Den Auftrag für eine der umfangreichen Erdbauarbeiten hat die Arbeitsgemeinschaft Bickhardt Bau AG, Bickhardt Bau Thüringen und V&C Metzner GmbH vom Vattenfall-Nachfolger LEAG erhalten. Die mittelständische Unternehmensgruppe Bickhardt Bau hat schon viele Großprojekte in Deutschland wie auch international erfolgreich abschließen können. Dazu gehören unter anderem der Flughafen in Kassel-Calden oder die Formel 1-Rennstrecken in Hockenheim, Abu Dhabi, Bahrain und Schanghai. Ein derart gewaltiges Bauprojekt wie die Umgestaltung eines Tagebaus in einen gigantischen See ist allerdings auch für Bauleiter Michael Schmidt und Oberschachtmeister Gerhard Mötzung von Bickhardt Bau ein Novum.
Die größte Erdbaustelle Europas „Das ist derzeit Europas größte Erdbaustelle und gleichzeitig der größte Auftrag dieser Art in unserer 45-jährigen Firmengeschichte“, gesteht Bauleiter Schmidt. Mit harten Fakten untermauert Oberschachtmeister Mötzung diese Aussage. „Gigantische 17 Millionen Kubikmeter Boden müssen wir in zwei Jahren Bauzeit bewegen.
Damit ließe sich die berühmte Cheops-Pyramide in Ägypten fast sieben Mal füllen“, veranschaulicht der 55-Jährige die Materialmenge.
So ein Großprojekt können die beiden mit ihrer Bickhardt Baumannschaft nicht alleine stemmen. Deshalb holte sich Hessens größter Mittelständler im Baugewerbe Unterstützung beim größten Vermieter von schweren Baumaschinen ab 20 Tonnen. Das herstellerunabhängige Unternehmen Manfred Hoffmann Baumaschinen Industrieservice aus Dorsten liefert für das Lausitzer Großprojekt der Superlative nicht nur über 130 Baumaschinen – davon allein über 100 Volvo-Dumper der Baureihe A30 – sondern rekrutierte auch gleich das Fahrpersonal und organisiert die Wartung der Maschinen vor Ort.
„Ohne Baumaschinen-Hoffmann könnten wir so eine Mammut-Aufgabe nicht realisieren. Die Dorstener bieten uns einen Full-Service, auf den wir nicht verzichten können. Sie kümmern sich um Baumaschinen, Ersatzgeräte, Personal sowie Wartung und Reparatur. Deshalb sehen wir das Unternehmen nicht als Vermieter, sondern als Partner an“, sagt Schmidt. Inzwischen arbeiten beide Unternehmen seit mehr als zehn Jahren Hand in Hand, haben schon drei Großprojekte und zahlreiche kleinere Aufträge gemeinsam bewältigt und längst das nötige Vertrauen aufgebaut.
Der weltweit größte Volvo-Kunde „Aktuell besteht unser Vermiet-Park aus über 1.200 schweren Baumaschinen. Gut ein Drittel davon bezieht Hoffmann von Volvo. Allein in 2016 haben wir 99 neue Volvo-Geräte bei unserem Baumaschinenhändler Swecon Baumaschinen bestellt. Ein Großteil davon wanderte direkt zur Baustelle Cottbus-Nord“, erläutert Barbara Hoffmann, Geschäftsführerin von Manfred Hoffmann Baumaschinen Industrieservice. Sie ist die Tochter des Firmengründers Manfred Hoffmann und leitet heute das Tagesgeschäft des Unternehmens gemeinsam mit ihrem Ehemann Peter Lormann. Um die notwendigen Maschinen rechtzeitig liefern zu können, habe sie damals bereits vor Auftragsvergabe zusammen mit Swecon und Volvo CE über eine größere Bestellung von neuen Dumpern verhandelt und vorhandene Geräte aus dem eigenen Bestand für das Projekt reserviert. Dabei habe ihr das langjährige und vertrauensvolle Verhältnis zu Swecon und Volvo CE sehr geholfen. Den weltweit größten Volvo-Kunden aus dem Ruhrgebiet betreut Swecon-Geschäftsführer Falk Bösche persönlich. Zusammen mit Christian Krauskopf, Geschäftsführer von Volvo CE Germany, ließ er es sich Anfang Mai nicht nehmen, den Fortschritt der Baustelle im Cottbuser Tagebau zu inspizieren und sich von der ausgeklügelten Bau stellenlogistik zu überzeugen. „Diese riesige Baustelle live zu sehen, ist wirklich sehr beeindruckend. Wir als Handelspartner für Volvo Baumaschinen sind stolz darauf, ein wesentlicher Teil dieser Maßnahme zu sein“, betont Falk Bösche.
Mit System und ohne Hektik fahren täglich etwa 100 Dumper wie am Schnürchen bis zu 90.000 Kubikmeter Erdreich aus den Abtragssektoren der Innenkippe zur ehemaligen Grubenbahn und verfüllen dort die einstige Ausfahrt. Nach und nach gleichen sie hierdurch einen Höhenunterschied von bis zu 40 Metern aus und schließen so die künftige „Badewanne für Cottbus“.
Die abzutragende Fläche misst rund 700 Hektar. Um in solchen Dimensionen wetterunabhängig, effizient und sicher arbeiten zu können, hat das Bickhardt Bau-Team gleich zu Beginn der Arbeiten im Mai vor einem Jahr ein aufwendiges, etwa zehn Kilometer langes Baustraßennetz gebaut und dafür rund 20.000 Tonnen Zement eingebracht. Die Hauptwege sind zusätzlich asphaltiert. Das Straßennetz kostet zwar anfangs mehr Geld, rechnet sich aber später durch die mehr gefahrenen Kubikmeter pro Tag. „Bei Starkregen setzen wir die Flotte in 25 Minuten um und lassen sie nur noch auf den Asphaltwegen fahren. Das ist sicherer und macht uns die übrigen Straßen nicht kaputt“, erklärt Oberschachtmeister Mötzung.
Jede Menge Personal benötigt Auf sein Kommando hören nicht nur die eigenen Bickhardt Bau-Mitarbeiter auf der Baustelle, sondern auch die eigens für das Projekt rekrutierten Maschinisten von Baumaschinen-Hoffmann. Das Bedienpersonal zu gewinnen, sei komplizierter gewesen als die Technik bereitzustellen, versichert Barbara Hoffmann am Rande der Besichtigungstour. Bevor eine leistungsstarke, zuverlässige und homogene Mannschaft zusammengestellt war, sind einige Monate ins Land gezogen.
Heute funktioniert das Zusammenspiel von Menschen und Maschinen so reibungslos, pünktlich und präzise wie ein Uhrwerk. Morgens um 7:00 Uhr starten die Motoren der fast 150 Dumper, Raupen, Bagger, Grader und Radlader. Wie eine endlose Ameisenkolonne bewegen sich die Maschinen vom eingezäunten und nachts bewachten Baucamp zur nächsten Zehn-Stunden-Schicht ins weite Feld, wo sie nach einem pfiffigen System Material lösen, aufladen, transportieren und an anderer Stelle wieder einbauen. Damit die modernen Volvo A30 aus der F- und G-Baureihe mehr Ladung aufnehmen können, sind alle mit Muldenerhöhung und Heckklappe ausgerüstet. Jeder Dumper hat eine Farbtafel an Bord, die ihm verrät, welche Planierraupe mit gleicher Farbmarkierung im Zielgebiet anzusteuern ist. Zusätzliche Farbtafeln im Gelände dienen als weitere Wegweiser. So ist gewährleistet, dass jeder Abschnitt gleichmäßig mit Füllmaterial bedient wird. Die Dumper bewegen sich auf der Baustelle ausschließlich im Vorwärtsgang – selbst beim Entladen. Niemand darf rückwärtsfahren. Das Sicherheitskonzept hat sich bewährt. Bisher gab es keinen einzigen Unfall. Außerdem lässt sich so das Arbeitstempo extrem hoch halten.
Perfekter Boxenstopp Zur Mittagspause kommen die Dumper ins Camp zurück. Hier, wo es Tankstelle, Werkstatt, Baubüros und Kantine gibt, laufen alle Fäden zusammen. Jeder weiß, an welcher der vier Zapfsäulen er sich zum Betanken anstellen muss. Innerhalb von wenigen Minuten sind der 360-Liter-Dieseltank sowie der AdBlue-Tank jedes Dumpers wieder voll. Zur gleichen Zeit rollen Tankwagen ins Baufeld, um die dort verbliebenen Bagger, Radlader und Raupen mit Diesel aufzufüllen. Insgesamt laufen täglich über 50.000 Liter Treibstoff durch die Schläuche und 60 Liter frischer Kaffee durch die trockenen Kehlen der Dumperfahrer. Zusätzlich serviert Kantinenchefin Sigrid kleine Snacks wie Bockwurst, Bulette, Fleischkäse oder belegtes Brötchen für wenig Geld.
Frisch gestärkt geht es nach einstündiger Pause in die zweite Tageshälfte. Warum die Arbeit stets pünktlich beginnen und enden muss, macht ein Blick auf die Kosten klar: Jede fehlende Minute auf der Baustelle kostet Bickhardt Bau Geld, betont Gerhard Mötzung, der vor 30 Jahren als Baggerfahrer bei der Firma anheuerte. Da sei schnell viel Geld weg, was bei der engen Kalkulation zu hohen Verlusten führen kann. Noch teurer werde es, wenn die Baumaschinen auch nur einen Zentimeter zu viel Boden abtragen. Bezogen auf die Gesamtflächewären 70.000 Kubikmeter mehr Abraum zu bewegen, was ungefähr der Arbeitsleistung eines ganzen Tages entspricht. Um so genau wie möglich zu arbeiten, kommen zur Vermessung stets GPS-Geräte an den Baumaschinen zum Einsatz.
Aus Kostengründen gibt es auch keine Schichtarbeit. „Nachts entstehen aufgrund der schlechten Sicht mehr Schäden an den Maschinen. Auch die Reifen der Baugeräte können im Schichteinsatz nicht mehr richtig abkühlen, was letztendlich zu mehr Reifenschäden führt“, erklärt der erfahrene Bickhardt Bau-Mann. Zudem komme seine Mannschaft ohne Schichtbetrieb ausgeruhter und konzentrierter zur Arbeit.
Wartungen in der Zeltwerkstatt Um die Bauleistung konstant halten zu können und die zugesagten hohen Verfügbarkeitsgarantien zu erfüllen, stellt Hoffmann im Baucamp genügend Ersatz-Dumper und andere Maschinen bereit. Bei Ausfällen können sie sofort einspringen. Anfallende Reparaturen und Wartungsarbeiten übernehmen insgesamt zehn Monteure, von denen acht von BaumaschinenHoffmann und zwei von Swecon stammen. Turnusgemäß ziehen sie die Dumper während des Betriebs für die Inspektion in die errichtete Zeltwerkstatt heraus und schicken den Fahrer mit einem Ersatzfahrzeug auf Tour. Hierbei stellt das Hoffmann-Team unter Leitung von Jens Groschischka jeden Tag aufs Neue sein hohes Maß an Flexibilität, Einsatzbereitschaft und Organisationsfähigkeit unter Beweis.
Am emsigen Treiben im ehemaligen Tagebau ändert sich bis Mitte 2018 wenig. Spätestens dann sollen alle Erdarbeiten abgeschlossen sein, und die Flutung kann beginnen. Da Grund- und Regenwasser allein für die Füllung des Sees nicht ausreichen, wird die Spree angezapft. Insgesamt 280 Millionen Kubikmeter Wasser laufen in den kommenden fünf bis sechs Jahren in das präparierte Becken und lassen bis Mitte der 2020er Jahre den Cottbuser Ostsee mit einer Mindestwassertiefe von zwei Metern entstehen. Ab dann können Möwen, Boote und Badegäste kommen.

Quelle:

DER KUBIKMETER

Ausgabe 2, Feb. 17, Nr. 98

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